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Von dem zu schnellen JA – und warum das manchmal doch ganz gut ist.

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IMG_0109_webAnruf von Anna-Lisa irgendwann im 1. Quartal 2017: „Hey Sandra, wir planen in Dortmund ein Fotofestival mit Vorträgen, Ausstellungen und viel Action! Wir hätten dich gerne dabei. Hast du Lust?“

So oder so ähnlich war – die ganze Vorgeschichte erspar ich Euch, da zu umfangreich – mein erstes Gespräch mit Anna-Lisa aus dem Team der f2-Fotofestival-Organisation in Dortmund. Immerhin habe ich es geschafft, nicht im ersten Gespräch sofort ein definitives Ja oder nein zu fällen. Erstmal gefühlte 500 Fragen loswerden, denn in meinem Kopf sind nur die Worte „Vortrag und Publikum“ hängengeblieben. Relativ schnell hat sich dann heraus gestellt, dass ich „nicht alleine“ vor Publikum reden werde. So habe ICH das zumindest verstanden – oder verstehen wollen. Erstmal organisieren. Oh Kinderwochenende – na gut. Wird auch irgendwie gehen. Und wenn nicht, die Süße geht vor. Nachdem die Knirpsin dann ihr OK gegeben hat (schließlich schläft und frühstückt frau nicht regelmäßig in Hotels 😉 ), ich dann mit viel rumfragen und vielen Absagen aber am Ende dann doch einer Zusage von Tobi und Luise die „Babysitter“ gefunden hatte, war irgendwie klar, ich sage zu. Gesagt getan. Anna-Lisa angerufen: „Ja, ich komm. Schickst du mir dann noch Details?“

Ich glaube, ich hatte mir überhaupt keine Gedanken gemacht, was da auf mich zukommen könnte. Nach diversen Detailinformationen per E-Mail befand sich eines Tages dann in meinem Posteingang auch die Bitte, dass alle drei Teilnehmer der Gesprächsrunde (Pickmotion & AKUSepp sowie meine Wenigkeit, ihre Präsentation zeitnah einreichen, damit die Techniker alles für „unsere Vorträge“ vorbereiten können. HILFE! Warum ein Vortrag? Es sollte doch lediglich eine moderierte Gesprächsrunde werden. HILFE!

Vortrag? Und dazu eine Präsentation? Liegt mir ungefähr beides unglaublich – NICHT!

Ab dem Zeitpunkt muss ich wohl mein komplettes Umfeld total verrückt gemacht haben. Je näher der 1.7. rückte, desto nervöser wurde ich. Zwischenzeitlich hatte ich dann irgendwas zusammengebastelt und es als „Präsentation“ nach Dortmund geschickt. War dann da. Irgendwann war es dann auch zu spät, noch etwas daran zu ändern. Gut. Nehme ich so.

1.7.2017. Dortmund. 16.45. Tobi und Luise sind da. Ich mit der Knirpsin. Jetzt geht’s also los. Schon zwei Tage zuvor ging mir die Pumpe. Immer wieder. Immer öfter. Immer sehr viel, sehr oft. Und dann hast du zwei Menschen gegenüber, die die Bühne gewöhnt sind. Die du magst. Die dir sagen, dass du das schon hinkriegen wirst (sie waren übrigens nicht die ersten, die das versucht haben). Lecker Pizza davor, eigentlich so ein Abend, den man so weiterführen sollte wie begonnen, ohne ihn von einer Bühne mit Vortrag und Menschen und  Kram zu unterbrechen. Aber genau das hat auf mich gewartet.

Pünktlich um 19.30 Uhr ging es los. Die anderen beiden Teilnehmer durften dann vor mir auf die Bühne. Waren ja auch nur noch 30 Minuten mehr, in denen ich kurz vor einem Infarkt stand. Ich hab Vorträge in der Schule schon gehasst und jetzt soll ich mich da freiwillig hinstellen und irgendwas über mich und meine Fotoarbeiten erzählen? „Sandra, vergiss nicht – das Mikro ist da, um dann hinein zu reden“ – Danke Tobi für den äusserst entspannenden Hinweis 😉 Teilnehmerin Nr. 2 ist fertig. Derjenige, der für die Moderation zuständig ist, sagt meinen Namen an. Und ja. Dann stolper ich auf die Bühne. Verhasple mich. Das Licht blendet. Ich höre meine Stimme weit weg und doch so unnatürlich laut. Denn ich mache alles richtig und spreche in das Mikrophon hinein. Noch mehr Blendelicht. Erst Folie Seite 2. Noch mehr Versprecher. Rede ich zu schnell? Interessiert die Leute das überhaupt, was ich da so von mir gebe. Eh verkackt. Folie 8. Letzte Folie. Such mir noch schnell, schnell ein Schlusswort zusammen und sag brav danke. Habe fertig. Jetzt nur nochmal stolpern.

Na? Interessant nicht wahr. DAS war die Version, wie sie sich für MICH angefühlt hat. Das Außen muss es wohl anders empfunden haben, denn da kam lediglich positive Resonanz. Es wäre souverän gewesen, hätte nicht gewirkt, als sei ich hypernervös da hoch. Ich würde behaupten ich könne vor Menschen nicht reden – dabei würde dies doch genau so gut wirken wie die Fotos, die ich da an die Wand geschmissen habe. Ich hatte Tränen in den Augen, als unter anderem dieser wildfremde Herr aus dem Publikum kam und mir diese Komplimente übergeben hat. Und dann Tobi und Luise, die das ganze kennen. Auch hier nur positive Resonanz und liebe Worte. Ich kann gar nicht beschreiben was das mit mir gemacht hat. Ich werde bestimmt kein Fan werden von Bühnen und der Eigenpräsentation. Aber ich bin glücklich darüber, dass ich das durchgezogen habe und nicht – wie in der Vergangenheit so oft in (oder aus) unangenehmen Situationen – geflüchtet bin. Auch jetzt beim Schreiben könnte ich weinen. Weinen vor Dankbarkeit und weil die eigene Achtung sich ganz minimalst breit macht. Und ich – zumindest im Moment – die ganzen Worte und Komplimente annehmen kann. (Wer meine Geschichte kennt, der kann vielleicht noch ein kleines Stück mehr nachvollziehen, warum das gerade ziemlich reinhaut. Wer die Geschichte nicht kennt: Vielleicht gibt’s dazu irgendwann mal ein paar detailliertere Worte. Vielleicht.)Zu der Gesprächsrunde kann ich nur zusammenfassend sagen, dass das nicht mehr der Teil war, der mich nervös gemacht hat. Da hatte ich wenigstens das Gefühl, was dazu beitragen zu können. Die Diskussion über die sozialen Medien, allen voran Instagram war spannend und die Zeit ging rum wie nix.

Danke Anna-Lisa, dass du mich da mit dabei haben wolltest und auch vor Ort Rückendeckung warst. Danke Tobi, dass du eigentlich irgendwie schuld warst und bist, dass ich überhaupt da gelandet bin und dafür, was da noch alles so kommt. Dafür reichen keine Worte hier. Und danke Luise, für das Verflechten-lassen deiner Jacke und erst recht für die Fotos, die du an dem Abend gemacht hast und die ich zu diesem Blogpost zeigen darf. Danke Euch beiden, dass ihr ein Auge auf die Knirpsin hattet, denn ihr gilt mein größter Dank. Für die Geduld an dem Tag. Für das Strahlen an diesem Tag. Und für die treffenden Sprüche einer 10-jährigen, die unglaublich gut (Achtung: pure Ironie!) mit Worten im Moment umgehen kann: „Mama, entspann dich mal!

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Alle Fotos (c) Luise Frentzel


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