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Vom erneuten Erwachen aus dem Winterschlaf und dem Mut, sich selbst treu zu bleiben

Ein Mann. Eine Lichterkette. Und dann auch noch Schminke im Gesicht.

Nein, ich rede nicht von einer künstlerischen Travestie-Veranstaltung irgendwo im Hamburger Kiez. Auch nicht von einem süffigen Abend anlässlich einer Fasnachtsveranstaltung. Ich rede von meinem Shooting am vergangenen Sonntag mit Sabrina und Rames, den Schneeflocken und der Lichterkette.

Ein Mädchen auf Instagram hat mir heute morgen geschrieben, wie toll es sei, endlich eine Lichterkette auch mal mit einem Mann auf einem Bild zu sehen. Es wären ja sonst immer nur Mädels. Es sei so erfrischend und so ehrlich.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich über solche Worte immer unglaublich freue und es für wichtig halte, mich da auch mit einer Antwortnachricht zu bedanken, hat es in meinem Kopf angefangen zu rattern. Wann empfinde ich ein Bild als ehrlich. Wann stelle ich fest, dass mir ein Portfolio bzw. der Künstler dahinter imponiert. Wann und wie prägt sich ein anderer Fotograf in mein Gedächtnis ein. Woran liegt das? Woran liegt es, dass ich bis vor etwas mehr als einem Jahr auch immer wieder drauf geachtet habe, was gerade so angesagt ist und wie ich das genau so wie xyz umgesetzt kriege. Und was hat sich geändert. Warum habe ich heute das Gefühl, mir selbst treu zu bleiben und was macht das mit den Social-Media Kanälen von mir. Fragen über Fragen.

Die Antworten gibt es hier:

Ich für meinen Teil erkenne Authenzität. Es gibt da draussen Fotografen, da gefällt mir definitiv nicht alles, was die so zeigen und fabrizieren, aber in der Summe fühlt sich so ein Portfolio gut an, weil es echt ist. Weil es der Weg dieses einen Fotografen oder dieser einen Künstlerin ist. Weil keine gekauften Presets über abgeschaute Fotovorlagen gelegt werden und daraus dann selber ein Verkauf von irgendwas generiert wird. Beispiel gefällig?

https://www.instagram.com/pollography
Pollography – Mir persönlich öft zu provokant und zu offenherzig. Aber sein Weg. Sein Ding. Und deswegen find ichs gut.

https://www.instagram.com/martinneuhof
Martin Neuhof – Mir gefällt nicht jeder Schnitt oder jede Farbgebung. Aber Martin spielt mit den Farben und bleibt sich da selber treu. Deswegen find ichs gut.

https://www.instagram.com/annastumpffotografie
Anna Stumpf – Ich versteh die 3er-Reihe nicht, aber sie bleibt dem dunklen und eher morbideren treu.  Deswegen find ichs gut.

https://www.instagram.com/mariaschaeferphotography
Maria Schäfer – Auch bei Maria gefällt mir nicht zu 100 % alles, was sie zeigt. Aber auch sie bleibt sich treu. Und deswegen find ichs gut.

https://www.instagram.com/je_suis__jean
Jean. Auch nicht alles meins. Aber seins. Daher find ichs gut.

Ich könnte hier noch viele viele mehr nennen. Aber um das ganze jetzt etwas abzukürzen belass ich es bei diesen fünf aussergewöhnlichen Portfolios. Diese fünf Künstler gehen ihren Weg. Und machen – meiner Empfindung nach – keinen Mainstream. Nicht weil sie das nicht können, sondern weil sie es nicht wollen. Weil sie ihr eigenes Ding machen wollen. Weil sie ihren Weg gefunden haben, und diesen mit mal mehr und mal weniger „Erfolg“ (hier in Zahlen auf den Sozialen Medien gemessen) weitergehen. Und sich aber genau um diesen „Erfolg“ in großer Summe der Zeit nicht scheren. In kleiner Summe manchmal vielleicht doch. 😉 Wie wir wohl alle.

Ich für meinen Teil hab mich auch gefunden. So manch einer hat das vor etwas mehr als einem Jahr mitgekriegt. Die anderen können das irgendwo im Blog nachlesen. Heute stehe ich da und zeige vollster Freude ein Bild von einem Mann mit Lichterkette, was so gänzlich gar nicht dem entspricht, was auf sozialen Kanälen „gut ankommt“. Aber MIR gefällt es. Und IHM gefällt es. Und weil es UNS gefällt, mach ich das. Heute sind es nicht mehr die Zahlen, die mich weitertreiben. Sondern das ausprobieren. Und die Freude über Bilder, die während des ausprobierens entstehen. Die Freude über eine Frau wie Sabrina, die barfuss im Sommerkleid für mich durch Neuschnee läuft. Für ein oder zwei Bilder, die uns beide berühren. Heute bleib ich meinem „dunkleren Dasein“ treu. Weil ich es anders einfach nicht kann. Weil es sich nicht stimmig anfühlt. Ich gehe weiter mit dem „Ursprünglichen“, weil es mir da gefällt.

Und auch wenn andere mit fancy hellen Bildern und halbnackten Mädis mit Warmfarben-Presets vielleicht zahlentechnisch mehr „Erfolg“ haben auf den sozialen Plattformen, werden meine Füsse dem Pfad folgen, der sich für mich richtig anfühlt. Und diejenigen, für die sich dieser auch richtig anfühlt, die werden den Weg zu mir finden. Davon bin ich überzeugt. Denn 2017 war ein wahrlich spannendes Jahr in Sachen Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, neuen – internationalen – Kontakten, die mit mir zusammen rüberhüpfen in 2018, um dort weiter auf meinem Trampelpfad das ein oder andere auszuprobieren.

Ich lege dem ein oder anderen von Euch da draussen wirklich ans Herz: „Bleibt bei Euch. Tut, was Euch gut tut. Das gute Gefühl und die Treue zu sich selbst ist mehr wert als ein paar Instagram Herzchen.“

_________

PS: Ich habe diesen Text nun in 10 Minuten runtergeschrieben, ohne x-mal nachzudenken oder zu verbessern. Wer Rechtschreibfehler findet, der darf sie gerne einpacken und untern Weihnachtsbaum legen.


This Post Has 5 Comments:
  • Christina says:Dezember 06, 2017 at 11:18

    Sehr schön geschrieben!
    Bin gespannt auf Deine weiteren Bilder :-*

    Reply
    • Sandra says:Dezember 06, 2017 at 11:18

      Danke Liebes!

      Reply
  • Yve says:Dezember 16, 2017 at 9:57

    Ich hab lange an mir gezweifelt. Ich bin durch eine Freundin zur Porträt-Fotografie gelangt und habe gesehen, es machen alle so. Du musst also Menschen fotografieren. Und habe das ziemlich schnell bis zur „Kotzgrenze“ gemacht, weil es Klicks dafür gab. Und irgendwie gab mir das nie das Gefühl, was ich von der Fotografie wollte. Und dann erkannte ich vor etwa 1-2 Jahren warum und wieso dass ist. Zum einem bin ich Gesichtsblind, was mir schon mal nicht möglich macht eine Bindung zu Menschen über Gesicht auf einem Bild zu finden und weil ich einfach schlichtweg Bilder produzierte, die keine Geschichte erzählten, wie du sagtest nicht echt waren. Nicht die Person vor der Kamera und auch nicht ich.
    Und heute da fühlt sich das richtig an, fotografiere viel ohne Menschen, aber wenn ich mir eine Person vor die Linse ziehe, dann bombardiert sich mich (wortlos) mit Eindrücken, dass ich sie ablichten muss, ihre Geschichte unsere gemeinsame die entsteht, sobald ich die Linse auf sie richte. Und das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl!

    Danke für deinen Post, damit ich mich daran wieder erinnern kann.

    Liebe Grüße
    Yve

    Reply
    • Sandra says:Dezember 16, 2017 at 9:59

      Lieben Dank für deine schöne Reaktion zu meinem Text!

      Reply
  • Sven Sebastian Horner says:Dezember 16, 2017 at 11:53

    Hi Sandra.
    Hab grad auf Deine Seite geschaut, weil ich Sie verlinkt habe.
    Da hab ich mal bei Dir reingelesen, was ich bisher nicht gemacht habe.
    Klingt friedlich und kraftvoll für mich. Wünsche Dir auch schonmal eine schöne Zeit um die Wintersonnenwende.
    liebe Grüße,
    Sven

    Reply

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